Andi Walter Gitarre

Interview

Welcher Musiker hat dich am meisten beeinflusst? 
Andi Walter: Schwierig zu sagen: Als kleiner Junge war natürlich Eric Clapton ein gewisses Vorbild, auch Carlos Santana oder viel mehr seine alten Kompositionen Black magic Woman, Oye como va, El Farol und und und Danach kamen Bands wie Guano Apes, Rage against the machine, Incubus, Coldplay...Im Studium waren dann Namen wie Miles Davis, John Scofield, Wes Montgomery, Mike Stern, John Abercrombie und viele mehr ein Thema. Da beschäftigte ich mich oft eine Zeit lang fast ausschliesslich mit einem dieser Musiker.

Was kannst du mir auf deinem Instrument besser beibringen als alle anderen Lehrer?
Andi Walter: Auf der klassischen Gitarre wäre da sicher der Rumba wie ihn die Zigeuner in Südfrankreich und Spanien spielen. Dazu gehören Schlagmuster, Akkordfolgen und natürlich auch die Improvisation. Auf der elektrischen Gitarre wären da bestimmt auch die speziellen Voicings wie sie im Fusion/Jazz vorkommen. Ungewöhnliche harmonische Wendungen und auch das Improvisieren über Stücke welche nicht von A-Z in einer Tonart bleiben, sondern fliegend von einer Tonart zur nächsten Wechseln und dabei noch zusätzlich ausgeliehene Akkorde beinhalten.

Wie hast du dein Instrument spielen gelernt?
Andi Walter: Nachdem mir die Trompete in der dritten Klasse wegen meiner nicht optimalen Zahnstellung nicht empfohlen wurde, zeigte mir meine Mutter auf ihrer alten Höfner-Gitarre die ersten Akkorde und so nahm die Geschichte ihren Lauf.

Auf welchem Equipment spielst du heute? 
Godin Flat Five X: Vielseitig einsetzbare Gitarre, sowohl für den Jazz als auch für Pop/Rock Warmer Sound, starke Humbucker und zusätzlich einen zweiten Ausgang mit Piezo-Tonabnehmer in der Bridge um Akkustiksounds zu generieren. Mhhhhh, klassische Gitarren habe ich etwa 8....oder doch 10?:-) Naja, es gibt hald ganz verschiedene und jede klingt wieder etwas anders. Einmal wäre da eine Benoit, mit Fichtendecke und Boden/Zargen aus indischem Palisander. Die etwas kürzere Mensur von 64.5cm erleichtert die gespreizten Akkorde in den unteren Lagen. Sie hat einen wunderbar vollen Klang, kräftige, kernige Bässe und brilliante Höhen die leicht ansprechen. Wenn ich dies nun über alle Gitarren schreiben würde wären wir morgen noch dran, drum belasse ich es bei der Lieblingsakkustikgitarre. Amps: Mesa Boogie Mark III für Röööööck, Laney VC30 für Jazz.

Welche persönliche Eigenschaft hat dir beim Üben am meisten geholfen?
Vermutlich die Neugierde an fast allem was mit Musik zu tun hat, so wurde es mir nie langweilig. Schon früh begann ich über einfach Harmonien zu improvisieren. Bei der Improvisation kann man sich ausdrücken, kann Musik im Moment entstehen lassen, das ist etwas vom Schönsten auf der Welt und von den schönen Dingen kriegen wir ja eh nie genug.

Was hat dein Instrument, was andere nicht haben?
Ein Zugticket: Es musste mal in der S7 vom Stadelhofen bis nach Winterthur alleine fahren weil der Halter beim Aussteigen in ein Gespräch vertieft war und nicht daran gedacht hat. Nach einer der schlimmsten halben Stunde (in der S12 nach Winterthur) in meinem Leben konnte ich mein Instrument wieder in die Arme schliessen oder auf den Rücken schnallen.

Worauf achtest du dich besonders beim Unterrichten? 
Das wichtigste für mich ist, dass ich jeden Schüler dort "abholen " kann wo er sich befindet. Ich möchte einen Unterricht anbieten, der auf den Schüler zugeschnitten ist. Dabei ist es wichtig herauszubekommen was ein Schüler von mir als Lehrer und von sich erwartet. Der Unterricht soll also schülerzentriert sein. Der Schüler gestaltet ihn aktiv mit.

Wie baust du deine Musikstunden auf?
Das ist sehr unterschiedlich. Gewisse Schüler mögen einen fixen, immer mehr oder weniger gleichbleibenden Unterricht mit Einspielen, Üben am aktuellen Stück, repetieren von etwas älterem Material usw. Andere mögen das nicht, dort ist es oft besser wenn sich die Stunde entwickelt, je nach Tagesform des Schülers, des Lehrers und vorallem auch jenachdem wie und was der Schüler zwischen den Stunden geübt hat. Generell kann ich aber sagen, dass mein Musikunterricht vielseitig aufgebaut ist. Wir werden kaum eine ganze Lektion ausschliesslich an einer Sache arbeiten. Ich vernetze gerne Themen. Wenn ein Blueser gerne Bossa spielen möchte, dann kommen wir nicht um die Frage rum, wie man nun eine Pentatonik in dieser Stilistik zum Improvisieren gebrauchen können.

Wie gehst du bei Kindern vor?
Kinder wissen oft noch nicht genau was sie wollen. Deshalb ist ein klarer Unterricht mit klaren Lernzielen sehr wichtig. Die Unterrichtsdauer und vorallem die Konzentrationsniveaus sind entscheidend. Kein Kind kann sich 40 Minuten völlig konzentrieren, es ist wichtig, dass man das bedenkt und im Unterricht immer wieder Dinge einbaut um zu entspannen. Das können einfache Lauf-Klatsch Übungen sein, damit das Kind sich bewegt und danach wieder fähig ist, sich 5 - 10 Minuten zu konzentrieren.

Was war bis anhin dein tollstes Erlebnis als Musiker? 
Da gäbe es wieder einige: Paco de Lucia nach dem Konzert im Restaurant beim Bier anzutreffen. Um 2 Uhr Morgens in einer tropfenden Höllgrotte in Thun unter Schirmen vor 3 sturzbetrunkenen Zuhörern ein Konzert zu geben:-) (Der Generator knatterte im Hintergrund) Und das aktuellste war der Jam in Chiang Mai in einer Bar mit Gap, einem thailändischen Sänger/Gitarristen. Er ist der Knüller. Pop/Bossa/Jazz/Blues Seine Gitarre und seine Stimme waren sowas von ehrlich...Die Haare standen zu Berge.

Welches war die grösste Bühne auf der du gespielt hast?
Vokshaus oder Taubertal-Festival.

Mit welchem Musiker würdest du gerne einmal spielen?
John Scofield, der groovt dich kaputt! Der kann sowas von laidback spielen, da hast du beim Stuhlschaukeln immer das Gefühl als würdest du hinten rausfallen.

Welche eine Platte würdest du auf die einsame Insel mitnehmen?
Seeeeehr seeeehr schwierig!!! Am ehesten eine Compilation mit möglichst vielem was ich gerne höre. Ich könnte mich vermutlich nicht auf einen Musiker, eine Stilrichtung, eine Platte festlegen. Irgendwann muss man was anderes hören.

In welchem Zürcher Club würdest du am liebsten spielen oder spielst du am liebsten?
Je nach Musikstil Moods oder Abart.

Was ist neben der Musik noch wichtig in deinem Leben?
Meine Freunde, das soziale Netzwerk jenseits von Facebook (Ich komme noch ohne aus:-), gesund zu bleiben, Sport, Eishockey, Joggen, Gitarrenbau, einen Ort zu haben an dem ich mich zu Hause fühle...

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Andi Walter ist Gitarrist in der Band  Drive My Pony, wo ich Drummer bin. Sein facettenreiches Spiel und sein Groove faszinieren mich immer wieder.  Seine ausgefeilte Technik und sein musikalisches Verständnis weiss er dezent und unaufdringlich einzusetzen. Es macht grosse Freude, mit ihm zusammenzuspielen.

Musiker
30, Musiker aus Zürich

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