Welche*r Musiker*in hat dich am meisten beeinflusst?
Zu meinen grössten Vorbildern zählen Agnes Obel, Hania Rani und Yebba. Jede von ihnen inspiriert mich auf ihre eigene Weise: Agnes Obel mit ihrer mystischen, verträumten Klangwelt, Hania Rani mit ihrer poetischen Tiefe am Klavier und Yebba mit ihrer unglaublichen Emotionalität und stimmlichen Ausdruckskraft. Alle drei berühren mich durch ihre Authentizität und Individualität. Und ich habe eine Schwäche für 3/4 und 6/8 Takte. Am liebsten in Moll.
Was kannst du mir auf deinem Instrument besser beibringen als alle anderen Lehrer*innen?
Ich war selbst lange sehr schüchtern und habe viele Jahre mit starkem Lampenfieber gekämpft – und tue es manchmal heute noch. Diese vermeintliche Schwäche ist inzwischen meine Stärke: Ich kann mich sehr gut in meine Schüler*innen hineinversetzen und ihnen helfen, Ängste abzubauen und Hemmungen loszulassen. Da ich selbst ständig an meiner Stimme arbeite und mir neue Fähigkeiten aneigne, kann ich diesen Lernprozess besonders gut weitergeben. Alles, was man sich selbst hart erarbeitet hat, vermittelt man mit mehr Tiefe – bei mir etwa Techniken wie Belting, Pfeiftöne oder auch Strategien und "Stützredli" gegen Lampenfieber.
Wie hast du singen gelernt?
Im Kinderchor und im Musikunterricht. In der Schule wurde ich zwar oft dafür ausgelacht, dass ich so inbrünstig mitsang. Hab es aber trotzdem gemacht.
Wie gehst du vor, wenn du selber einen Song schreibst oder ein Stück komponierst?
Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal entsteht zuerst der Text, manchmal die Musik, und oft lasse ich mich auch von einer bestimmten Stimmung oder einem Thema leiten. Zurzeit nehme ich Kompositionsunterricht und arbeite an meinem eigenen Soloprogramm auf Berndeutsch. Im Dialekt zu schreiben ist für mich eine spannende Gratwanderung – es soll weder zu abstrakt noch zu plump klingen. Im Herbst 2026 könnt ihr dann hoffentlich selbst herausfinden, wie sich das anhört.
Auf welchem Equipment spielst du heute?
Zu Hause habe ich ein Yamaha E-Piano, und mein Lieblings-Mikrofon ist von Neumann.
Welche persönliche Eigenschaft hat dir beim Üben am meisten geholfen?
Meine Melancholie hilft mir, Geschichten in meiner Musik zu erzählen. Aber mindestens genauso wichtig sind Beständigkeit und eine gehörige Portion Sturheit. Mir hat einmal jemand gesagt, dass man bestimmte Techniken, wie zum Beispiel Pfeiftöne, nicht lernen könne – dass man die entweder hat oder eben nicht. Ha! Zwei Monate später hatte ich sie trotzdem drauf. Nie aufhören, immer neugierig bleiben – und wenn jemand sagt „geht nicht“, einfach lächeln und weiter üben.
Was hat dein Instrument, was andere nicht haben?
Bescheidenheit ;-)
Worauf achtest du dich besonders beim Unterrichten?
Ich versuche Schüler*innen auf seinem oder ihrem Niveau abzuholen und sanft aus der Komfortzone zu locken. Immer mit dem Ziel, die eigene Stimme zu entdecken. Und Mut zur Lücke.
Wie baust du deine Musikstunden auf?
Das ist sehr individuell. In der ersten Stunde besprechen wir die Wünsche und Ziele, und darauf aufbauend erarbeite ich gemeinsam mit meinen Schüler*innen einen persönlichen Unterrichtsplan.
Wie gehst du bei Kindern vor?
Spielerisch, mit viel Freude und Neugier.
Was war bis anhin dein tollstes Erlebnis als Musikerin?
Da möchte ich mich gar nicht festlegen. Jeder Moment, in dem ich dem Publikum etwas Schönes mitgeben kann, ist ein Genuss.
Welches war die grösste Bühne, auf der du gespielt hast?
Das Hallenstadion Zürich – als Backing Vocalistin.
Mit welcher*welchem Musiker*in würdest du gerne einmal spielen und warum?
Als Bernerin würde ich natürlich liebend gerne mal mit Patent Ochsner auf Tournee gehen.
Welche eine Platte würdest du auf die einsame Insel mitnehmen?
Der Soundtrack von "The End of the F***ing World". Den mag ich einfach auf Reisen.
Auf welcher Bühne würdest du am liebsten spielen oder spielst du am liebsten?
Ich liebe es klein aber fein im Theater am Hechtplatz.
Was ist neben der Musik noch wichtig in deinem Leben?
Meine Familie und meine Hundedame Mila.