Learn drums with

Michel Argast

Grooves und Pattern auf Schlagzeug und Trommeln spielen

Michel ist Schlagzeuger und Basler Trommler und unterrichtet Fortgeschrittene in Technik und Ausdruck am Instrument.

portrait of Michel Argast

Location

Loogweg
4153 Reinach

Instrument

Drums

Music style

Funk, pop, rock, and progressive rock

Level

Advanced and Master

Language

German and English

Age

Michel Argast teaches students from 18 years

Interview with Michel Argast


Welche*r Musiker*in hat dich am meisten beeinflusst?
Virgil Donati hat mich als Schlagzeuger stark beeinflusst. Mich beeindruckt besonders, dass er extrem komplexe technische und koordinative Grooves und Patterns spielen kann und es trotzdem immer nach «Pocket» klingt. Viele Schlagzeuger mit einem ähnlich hohen technischen Niveau wirken schnell etwas mechanisch – bei ihm bleibt die Musik jedoch immer lebendig und groovt, egal wie komplex die Taktarten oder polymetrischen Überlagerungen sind.

Was kannst du mir auf deinem Instrument besser beibringen als alle anderen Lehrer*innen?
Da ich bereits mit sechs Jahren mit dem Basler Trommeln begonnen habe und später Schlagzeug studiert habe, habe ich eine besondere Spezialisierung in der Handtechnik entwickelt. Beim Basler Trommeln entsteht der gesamte musikalische Ausdruck mit nur einem Ton der Trommel – deshalb stehen Dynamik, Rhythmik und die Kontrolle der Hände im Zentrum. Diese Präzision und Technik prägen auch mein Schlagzeugspiel und meinen Unterricht. Dadurch kann ich Schüler*innen besonders fundiert vermitteln, wie man Kontrolle, Klang und Ausdruck mit den Händen entwickelt.

Wie hast du dein Instrument spielen gelernt?
Bei mir hat alles sehr spielerisch begonnen. Als Kind habe ich zu Hause aus grossen Dosen mein eigenes kleines Schlagzeug gebaut und darauf herumgetrommelt. Mein Onkel hat mir dann irgendwann ein Paar Trommelstöcke und ein Übungspad geschenkt – damit hat es richtig angefangen. Meine Mutter erzählt heute noch, dass sie immer wusste, wann ich wach war: nämlich wenn im ersten Stock plötzlich das Trommeln auf dem Boden losging.

Wie gehst du vor, wenn du selber einen Song schreibst oder ein Stück komponierst?
Für mich gibt es beim Songwriting keine feste Vorgehensweise. Der Impuls kommt oft völlig unerwartet – manchmal springt mich eine Idee einfach an und lässt mich dann nicht mehr los. Der Ausgangspunkt kann ganz unterschiedlich sein: ein Groove, eine Akkordfolge oder manchmal nur ein vages Bild oder eine Stimmung, die ich musikalisch ausdrücken möchte.

Auf welchem Equipment spielst du heute?
Ich habe im Laufe der Jahre Schlagzeuge verschiedener Marken wie Premier, Pearl und Yamaha gespielt und bin schliesslich beim Sonor SQ2 – dem Flaggschiff von Sonor – gelandet. Seit ich dieses Set zum ersten Mal live gespielt habe, wollte ich kein anderes Schlagzeug mehr benutzen. Es lässt sich unglaublich gut stimmen und entspricht genau meiner Vorstellung vom idealen Sound.

Bei den Becken bin ich bewusst offen und nicht auf eine bestimmte Marke festgelegt. Ich spiele eine Mischung aus verschiedenen Herstellern, wobei ich in den letzten Jahren besonders die Becken von Meinl sehr interessant finde.

Welche persönliche Eigenschaft hat dir beim Üben am meisten geholfen?
Ich würde sagen, dass mir in verschiedenen Lebensphasen unterschiedliche Eigenschaften beim Üben geholfen haben. Als Kind war es vor allem meine Kreativität. Meine Eltern haben diese stark gefördert, und ich hatte nie ein sehr starres oder klischeehaftes Denken. Dadurch konnte ich stundenlang einfach eintauchen, ausprobieren und ganz im Moment sein – das hat mir einen sehr natürlichen Zugang zum Instrument gegeben.

Später, im späten Teenageralter, wurde Disziplin immer wichtiger. Die Fähigkeit, sich zu fokussieren, gezielt an bestimmten Dingen zu arbeiten und über längere Zeit konzentriert zu bleiben, hat mir sehr geholfen, mich musikalisch weiterzuentwickeln. Heute würde ich sagen, dass die ideale Mischung aus beiden Eigenschaften besteht: Kreativität und Neugier auf der einen Seite und Disziplin und Fokus auf der anderen.

Was hat dein Instrument, was andere nicht haben?
Diese Frage ist für mich schwierig zu beantworten, weil ich kein anderes Instrument so gut beherrsche wie das Schlagzeug – mit Ausnahme der Basler Trommel, die für mich gewissermassen die seelenverwandte Schwester des Schlagzeugs ist. Da ich mich wirklich nur in dieses Instrument so intensiv vertieft habe, fällt es mir schwer, einen direkten Vergleich zu anderen Instrumenten zu ziehen. Viele kenne ich eher von aussen oder spiele sie – wie zum Beispiel das Klavier – nur oberflächlich, aber nicht mit derselben Tiefe.

Für mich ist Schlagzeugspielen fast eine Art von Tanz. Besonders liebe ich Musikstile, bei denen wirklich alle vier Körperteile gleichzeitig eingebunden sind. Wenn man in einen komplexen Groove eintaucht und spürt, dass der ganze Körper beteiligt ist, fühlt sich das fast an wie Fliegen.

Worauf achtest du besonders beim Unterrichten?
Beim Unterrichten achte ich besonders auf zwei Elemente: den disziplinierten Fokus und das Loslassen am Instrument.

Auf den ersten Blick wirken diese beiden Dinge wie Gegensätze, doch meiner Erfahrung nach gehören sie untrennbar zusammen.

Für mich ist die wichtigste Fähigkeit am Instrument die Fähigkeit loszulassen. In dem Moment spielt nicht mehr der Kopf die Musik, sondern der Körper – oder sogar etwas noch Tieferes, das gewissermassen durch uns hindurch spielt. Damit das möglich wird, muss man sich vollkommen ins Instrument hinein entspannen können, ohne Angst davor zu haben, etwas falsch zu spielen. Erst dann beginnt die Energie wirklich zu fliessen.

Gleichzeitig braucht es aber auch Konzentration und Disziplin, um an Bewegungsabläufen zu arbeiten, die motorisch noch nicht selbstverständlich funktionieren. Meiner Meinung nach kann das eine ohne das andere nicht existieren: Die technische Arbeit und das Loslassen gehören zusammen. Das Herzstück bleibt für mich jedoch das Abtauchen – der Moment, in dem das Instrument zu einem Ort wird, an dem man sich vollkommen ausdrücken und einfach das sein kann, was in einem steckt und nach aussen möchte.

Wie baust du deine Musikstunden auf?
Das kann ich nicht pauschal beantworten, weil ich meinen Unterricht stark auf die jeweilige Person abstimme. Am Anfang geht es für mich darum herauszufinden, was dem Schüler oder der Schülerin am besten hilft, vom Alltag in den Unterricht und ins Instrument zu finden.

Für manche funktioniert das über den Kopf, zum Beispiel mit einer Leseübung. Andere beginnen besser mit einem technischen Einspielen, weil sie sich über den Körper schneller mit dem Instrument verbinden. Wieder andere, die vielleicht direkt vom Job kommen, profitieren davon, zuerst ein paar Minuten frei zu improvisieren oder zu jammen.

Ich versuche also immer herauszufinden, was für die jeweilige Person am besten funktioniert, um wirklich im Moment anzukommen und offen für den Unterricht zu sein.

Wie gehst du bei Kindern vor?
Bei Kindern ist für mich das Allerwichtigste, dass sie sich im Unterrichtsraum wohlfühlen. Wenn ein Kind den Raum betritt, sollte es das Gefühl haben, an einem Ort zu sein, an dem es gerne ist – fast wie zu Hause. Nur so kann echte Freude am Instrument entstehen.

Ich bin kein grosser Fan davon, Kindern zu früh Disziplin oder konkrete Leistungsziele aufzuerlegen. Am Anfang steht für mich die Leidenschaft für das Instrument im Mittelpunkt. Und Leidenschaft entsteht nicht dadurch, dass man sie rational plant oder Ziele definiert – sie kommt aus einem tieferen inneren Impuls.

Deshalb versuche ich vor allem, die Spielfreude zu wecken. Durch spielerisches Entdecken und Musizieren kann sich diese innere Begeisterung öffnen und wachsen.

Was war bis anhin dein tollstes Erlebnis als Musiker?
Grundsätzlich sind für mich die schönsten musikalischen Erlebnisse immer die Momente, in denen es gelingt, vollkommen im Augenblick zu sein und sich als Band wirklich zu vereinen. Das kann bei einer kleinen Jam-Session passieren – sogar mit nur wenigen Leuten im Publikum – oder auf einer grossen Bühne mit vielen hundert Zuhörer*innen. In solchen Momenten entsteht das Gefühl, dass alles nur noch im Jetzt passiert und die Energie frei fliesst.

Wenn ich jedoch ein besonders eindrückliches Bühnenerlebnis nennen müsste, dann war das vor einigen Jahren beim Basel Tattoo. Ich spielte dort mit der Stage Band, und wir führten die Schweizer Nationalhymne auf. Während wir spielten, flog die Patrouille Suisse – die Kunstflugstaffel der Schweizer Luftwaffe – über das Stadion und zog ihre Formationen. Genau in dem Moment, als wir den letzten Ton der Nationalhymne spielten, flogen die Jets im perfekten Timing direkt über unsere Köpfe hinweg. Für einmal war ich nicht der lauteste im Stadion – und die Energie dieses Moments war einfach unglaublich.

Welches war die grösste Bühne, auf der du gespielt hast?
Die grösste Bühne, auf der ich gespielt habe, war mit der Stage Band beim Basel Tattoo. Im Publikum waren etwa 8'000 Menschen, und bei der Schlussnummer war praktisch das ganze Stadion mit allen Mitwirkenden gefüllt. Ich würde schätzen, dass insgesamt etwa 8'500 bis 9'000 Menschen im Stadion waren.

Das ganze Stadion mit einem Klick einzuzählen, bevor die Schlussnummer beginnt, war schon ein ziemlich besonderer und spannender Moment.

Mit welcher*welchem Musiker*in würdest du gerne einmal spielen?
Ich würde sehr gerne einmal mit der Progressive-Rock-Band Dream Theater auf der Bühne stehen. Einerseits komme ich musikalisch stark aus dem Rock, und alles, was kraftvolle Beats und druckvolle Gitarren hat, spricht mein Herz sofort an. Andererseits interessiert mich als Schlagzeuger besonders die rhythmische Tiefe und Komplexität der Musik. Dream Theater vereint für mich genau diese beiden Welten – Energie und Virtuosität – und würde damit die zwei musikalischen Seiten verbinden, die in mir besonders stark sind.

Welche eine Platte würdest du auf die einsame Insel mitnehmen?
Ich würde das Album In Absentia von Porcupine Tree mitnehmen. Es ist wahrscheinlich die Platte, die mich musikalisch am stärksten geprägt hat. Ich habe sie mit etwa 18 Jahren sehr intensiv gehört, in einer Zeit, in der es mir nicht besonders gut ging. Irgendwie hat sich dieses Album tief in mein Herz und in meine musikalische DNA eingebrannt.

Auf welcher Bühne würdest du am liebsten spielen oder spielst du am liebsten?
Die Bühne, auf der ich am liebsten spiele – und wahrscheinlich immer spielen werde – ist die Bühne des Lebens.

Was ist neben der Musik noch wichtig in deinem Leben?
Neben der Musik sind mir vor allem andere Menschen wichtig – Freundschaften und meine Beziehung zu meiner Freundin. Ich glaube, am Ende sind es immer die Menschen, die dem Leben wirklich Bedeutung geben. Durch Begegnungen, Gespräche und gemeinsame Erfahrungen spürt man erst richtig, was es heisst, lebendig zu sein.

Ein weiterer wichtiger Teil meines Lebens ist Meditation. Früher habe ich viele Stunden am Instrument verbracht, heute verbringe ich auch viel Zeit mit Meditation. Sie hilft mir, aus dem Kopf herauszukommen und mehr im Körper anzukommen. Einen ähnlichen Effekt hat für mich auch Krafttraining – es bringt mich aus dem Denken und stärker ins Spüren.

Ich glaube, ein entspanntes und ausgeglichenes Leben ist eine wichtige Grundlage für ein glückliches Leben. Je ruhiger und klarer ich innerlich bin, desto besser funktionieren auch meine Arbeit und meine Beziehungen zu anderen Menschen.