Klavier (Piano) und Komposition lernen bei
Alessandro Cardarelli
Klavier für klassische Musik
Alessandro ist Pianist, klassischer Improvisator, Filmkomponist und langjähriger Lehrer mit internationaler Erfahrung.
Preis
10 Lektionen an 45 Min.: CHF 1050
Die Probelektion ist unverbindlich und kostet CHF 105. Wenn danach ein Abo abgeschlossen wird, gilt die Probelektion als erste Lektion vom Abo. Wenn nicht, wird diese einzeln verrechnet.
Für Kinder sind auch 30-minütige Lektionen möglich.
Standort
Pfingstweidstrasse 96
8005 Zürich
Badenerstrasse
8045 Zürich
Instrument
Klavier (Piano) und Komposition
Musikstil
Klassik, Filmmusik, Pop und Freie Improvisation
Niveau
Anfänger, Fortgeschrittene und Master
Sprache
Deutsch, Englisch und Italienisch
Alter
Alessandro Cardarelli unterrichtet Schüler*innen ab 7 Jahren
Das bringe ich dir bei
Ich kann ein individuell angepasstes Unterrichtsprogramm anbieten, das sowohl die Vorbereitung auf Aufnahmeprüfungen an Musikhochschulen und Wettbewerbe als auch den Unterricht für motivierte Anfänger*innen umfasst. Mein Unterricht basiert auf vier zentralen Phasen: Interpretation, Improvisation, Kontrolle und Kreation. Dabei lernen die Schüler*innen nicht nur, klassische Musik und Filmmusik technisch zu spielen, sondern auch zu verstehen, wie Musik entsteht, warum ein Werk genau so geschrieben wurde und wie sich musikalische Ideen weiterentwickeln können. Das Klavierstudium wird dadurch zu einer ganzheitlichen Reise: vom Verständnis und der Interpretation bestehender Werke über die Improvisation und den Aufbau einer eigenen musikalischen Sprache bis hin zur Fähigkeit, selbst neue Musik zu erschaffen. Mein Ziel ist es, Schüler*innen nicht nur zu guten Interpret*innen zu machen, sondern ihnen die Werkzeuge zu geben, Musik in ihrer ganzen Tiefe zu verstehen und aktiv weiterzuführen.
Ausbildung
- 2011–2017 – Accademia Musicale Varesina, Varese (Italien): Musikschule, Klassisches Klavier und Theorie; sechsjährige professionelle musikalische Ausbildung im Klavierstudium bei Maestro Roberto Plano und Paola Del Negro.
- 2012–2017 – Liceo Musicale A. Manzoni, Varese (Italien): Musikgymnasium; fünfjährige musikalische Hochschulvorbereitung bei Marco De Bernardi.
- 2017–2019 – Musikschule Charlottenburg-Wilmersdorf, Berlin (Deutschland): Studienvorbereitung Klavier; zweijährige professionelle Vorbereitung auf ein Musikstudium bei Hiroko Fukui.
- 2019–2024 – Hochschule für Musik und Theater Leipzig (Deutschland): Bachelor of Music, Klassisches Klavier; fünfjährige professionelle musikalische Hochschulausbildung bei Prof. Markus Tomas.
- 2024–2026 – Hochschule für Musik und Theater Leipzig (Deutschland): Master of Music, Pianistische Improvisation und Komposition (künstlerisch und pädagogisch); zweijährige professionelle musikalische Hochschulausbildung bei Prof. Tilo Augsten und Michael Schorcht.
- Ab Herbst 2026 – Zürcher Hochschule der Künste, Zürich (Schweiz): Master of Arts, Film- und Medienkomposition, bei Prof. André Bellmont.
- Laufend – Meisterkurse und musikalische Weiterbildung bei renommierten Pianist*innen, Pädagog*innen und Künstler*innen, darunter Roberto Plano, Paola Del Negro, Hiroko Fukui, Markus Tomas, Tilo Augsten, Michael Schorcht, Viller Valbonesi, Giuseppe Merli, Irene Veneziano, Davide Campanella, Marco De Bernardi, Birgitta Wollenweber, Björn Lehmann, Anto Pett, Caspar Frantz, Stefan Arnold, Christopher Young und weiteren internationalen Musikerpersönlichkeiten.
Projekte
-
Stücke / Werke von diesen Künstler*innen / Komponist*innen bringe ich dir am liebsten bei
Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Frédéric Chopin, Alexander Nikolajewitsch Skrjabin, Sergei Rachmaninow, Sergei Prokofjew, Domenico Scarlatti, Johannes Brahms, György Ligeti, Ennio Morricone, John Williams und Hans Zimmer
Interview mit Alessandro Cardarelli
Welche*r Musiker*in hat dich am meisten beeinflusst?
Viele Komponist*innen haben mich beeinflusst und inspirieren mich bis heute. Besonders prägend sind für mich jedoch Domenico Scarlatti, Alexander Skrjabin, Gustav Mahler, György Ligeti und John Williams.
Scarlatti steht für mich mit seiner Leichtigkeit, Eleganz und aussergewöhnlichen Musikalität für meine italienische Seite. In seiner Musik entdecke ich Kreativität, Innovation und überraschende Wendungen – Eigenschaften, die meinem eigenen musikalischen Denken sehr nahestehen.
Skrjabin fasziniert mich durch seine Mystik und seine Suche nach Ausdrucksmöglichkeiten jenseits des Gewohnten. Seine synästhetische Verbindung von Klang, Farben und Formen berührt mich besonders, da ich selbst Synästhetiker bin und beim Hören von Musik Farben und Formen wahrnehme. Seine harmonische Sprache eröffnet mir eine Welt jenseits des rein Greifbaren und Alltäglichen.
Mahler beeinflusst mich vor allem im Bereich der sinfonischen Musik. Seine deutsche Strenge, die monumentale Klangsprache, die tiefgründige Orchestrierung und die Verbindung von Drama, innerem Konflikt und Erneuerung spiegeln meine dramatische Seite wider.
Ligeti fasziniert mich durch seine radikale Experimentierfreude und die Fähigkeit, musikalische Ideen auf ihre Essenz zu reduzieren. In einigen seiner Werke erkenne ich meine modernere und abstraktere Seite wieder. Die Tatsache, dass beispielsweise in der «Musica ricercata» bereits eine einzige wiederholte Note eine enorme Ausdruckskraft und Bedeutung entwickeln kann, zeigt für mich, dass Musik nicht von der Anzahl der Töne lebt, sondern von ihrer Tiefe, ihrem Charakter und ihrer inneren Aussagekraft.
Williams verkörpert für mich den Traum und die Hoffnung. Mit seinen Filmmusiken bin ich aufgewachsen; seine Melodien haben meine Vorstellungskraft geprägt und mich immer wieder zum Träumen gebracht.
Was kannst du mir auf deinem Instrument besser beibringen als alle anderen Lehrer*innen?
Meine besondere Stärke als Lehrer liegt in der Verbindung von klassischer Interpretation, Improvisation und Komposition. Durch meine vielseitige Ausbildung in diesen Bereichen kann ich meinen Schüler*innen einen Unterrichtsansatz anbieten, der über das reine Erlernen von Noten und Technik hinausgeht.
Mein Unterricht basiert auf einem vierstufigen musikalischen Entwicklungsprozess:
1. INTERPRETATION (Die Rolle des Interpreten):
Zuerst lernen die Schüler*innen, ein Werk professionell zu lesen, zu analysieren und technisch umzusetzen. Sie beschäftigen sich mit dem Notentext, dem Stil, der musikalischen Sprache und den kompositorischen Entscheidungen des jeweiligen Werkes.
2. IMPROVISATION (Die Rolle des Improvisators):
Danach öffnen wir den musikalischen Raum durch Improvisation. Die Schüler*innen lernen, ihre eigene musikalische Persönlichkeit, Kreativität und Intuition einzusetzen. Sie entdecken, dass Musik nicht nur aus geschriebenen Noten besteht, sondern aus Ausdruck, Klangvorstellung und innerem Verständnis.
3. KONTROLLE (Die Verbindung beider Welten):
Anschliessend kehren wir mit neuen Erfahrungen zum ursprünglichen Werk zurück. Durch die Improvisation haben die Schüler*innen ein tieferes Verständnis für Harmonie, Struktur und musikalische Möglichkeiten entwickelt. In meiner langjährigen Unterrichtserfahrung zeigt sich immer wieder, dass die Schüler*innen dadurch das Gefühl bekommen, das Stück wirklich «in der Hand zu haben», nicht nur die Noten zu spielen, sondern die Musik von innen heraus zu verstehen und zu kontrollieren.
4. KREATION (Die Rolle des Komponisten):
Als weiterer Schritt können die Schüler*innen ihre gewonnenen Fähigkeiten nutzen, um eigene musikalische Ideen zu entwickeln und schliesslich eigene Stücke zu schreiben. Sie werden vom Interpreten über den Improvisator zum kreativen Musiker und Komponisten.
Mein Ziel ist es, Musiker*innen auszubilden, die nicht nur Werke reproduzieren, sondern verstehen, gestalten und ihre eigene musikalische Stimme entwickeln können.
Wie hast du dein Instrument spielen gelernt?
Meine musikalische Reise begann mit einem alten, verstaubten Klavier meiner Grossmutter väterlicherseits. Es war ein antikes Instrument, das ihr Vater ihr geschenkt hatte und auf dem sie selbst gelernt hatte, Noten zu lesen und ein wenig zu spielen. Als Kind faszinierte mich dieses Klavier sehr, weil ich es unglaublich fand, dass ein scheinbares Möbelstück im Wohnzimmer tatsächlich lebendige Klänge erzeugen konnte. Diese Verbindung zwischen einem Gegenstand und einer unsichtbaren musikalischen Welt weckte sofort meine Neugier und Begeisterung. Meine Grossmutter bemerkte mein Interesse und begann, mir erste Stücke beizubringen sowie grundlegende Kenntnisse im Notenlesen zu vermitteln. Erst viele Jahre später, mit 13 Jahren, entschied meine Mutter, mich professionell Musik studieren zu lassen, nachdem sie bemerkt hatte, dass ich nach der Schule nichts anderes machen wollte, als mich ans Klavier zu setzen und die Filmmusik meiner Lieblingsfilme nach Gehör oder mit Hilfe von YouTube zu lernen. Von diesem Moment an begann meine eigentliche musikalische Reise, die mich später bis nach Japan führte, wo ich klassische Musik auf Tourneen spielte, und einige Jahre später auch in die USA, wo ich meine eigenen Filmmusikkompositionen Komponist*innen vorstellen durfte, die für grosse Produktionen wie Warner Bros. und Netflix arbeiten. Rückblickend begann alles mit der einfachen Faszination eines Kindes für ein altes Klavier und entwickelte sich zu einer lebenslangen Leidenschaft für Musik.
Wie gehst du vor, wenn du selber einen Song schreibst oder ein Stück komponierst?
Wenn ich ein eigenes Stück oder einen Song schreibe, beginne ich fast immer mit der Improvisation. Für mich ist der erste Schritt ein freies Experimentieren, bei dem musikalische Ideen, Stimmungen und Emotionen entstehen können. Der weitere Prozess hängt davon ab, welche Art von Werk ich komponiere, ob es ein eigenes Klavierstück, eine Filmmusik zu einer bestimmten Szene oder ein Popsong mit Text ist, aber die Grundlage bleibt immer dieselbe. Während des Improvisierens habe ich bereits eine bestimmte Vorstellung davon, welche Wirkung oder Atmosphäre ich erreichen möchte. Sobald ich eine Idee finde, die diese Vorstellung erfüllt, entwickle ich sie weiter, wiederhole sie und arbeite immer detaillierter daran. Oft entsteht eine musikalische Idee auch unabhängig vom Instrument: Ich höre eine Melodie innerlich, pfeife oder singe sie und setze mich anschliessend ans Klavier, um diese Vorstellung zu finden und umzusetzen. Danach entscheide ich, welche Form die Komposition annimmt, ob für Klavier, Ensemble oder Orchester. Der wichtigste Ausgangspunkt bleibt jedoch immer eine musikalische Idee, die durch Improvisation entdeckt und anschliessend bewusst ausgearbeitet wird.
Auf welchem Equipment spielst du heute?
Zu Hause spiele ich auf einem Kawai-Klavier (Vertikalpiano), auf dem ich komponiere, studiere und unterrichte. Dieses Instrument begleitet mich täglich und ist ein zentraler Bestandteil meiner musikalischen Arbeit.
Für mein Studium und meine künstlerische Weiterbildung arbeite ich ausserdem regelmässig an Flügeln in den Hochschulen und Universitäten, an denen ich studiere, da diese Instrumente eine andere Klangtiefe und Ausdrucksmöglichkeit bieten.
Für meine Filmmusik-Kompositionen nutze ich zusätzlich verschiedene Keyboards, Synthesizer, Mikrofone sowie Computer und professionelle Musiksoftware wie Logic Pro, Sibelius und Ableton Live. Diese Kombination ermöglicht es mir, sowohl klassische Kompositionstechniken als auch moderne Klangwelten zu erforschen und umzusetzen.
Welche persönliche Eigenschaft hat dir beim Üben am meisten geholfen?
Die beiden Eigenschaften, die mir beim Üben am meisten geholfen haben, sind Neugier und Ausdauer.
Neugier ist für mich der Ausgangspunkt jeder musikalischen Entwicklung. Ohne Neugier gibt es keinen Funken, der die Begeisterung auslöst, keine Freude am Entdecken und keine Bereitschaft, sich auf neue Herausforderungen einzulassen. Sie bringt mich dazu, immer weiterzuforschen, neue musikalische Wege zu erkunden und über das Offensichtliche hinauszugehen.
Genauso wichtig ist die Ausdauer. Das Erlernen eines Instruments und einer musikalischen Sprache braucht Zeit, Kontinuität und regelmässige Arbeit. Diese beiden Eigenschaften sind auch diejenigen, die ich bei meinen Schüler*innen besonders fördern möchte. Aus diesem Grund arbeite ich mit meinen Schüler*innen in der Regel wöchentlich und kontinuierlich, da zu lange Pausen zwischen den Unterrichtsstunden den Lernprozess verlangsamen oder sogar erschweren können.
Mein Ziel ist es, nicht nur technische Fähigkeiten zu vermitteln, sondern auch die innere Motivation und die Gewohnheiten zu entwickeln, die langfristig zu musikalischem Wachstum führen.
Was hat dein Instrument, was andere nicht haben?
Was das Klavier besonders macht, ist vor allem seine harmonische und strukturelle Vielseitigkeit. Es ermöglicht ein besonders tiefes Verständnis für Harmonie, grossformale Analyse und Komposition und bietet auch für das Schreiben und Produzieren von Musik, sowohl als Partitur auf Papier als auch mit einer DAW, eine aussergewöhnliche Grundlage. Nicht ohne Grund wird das Klavier an vielen Musikhochschulen als Pflicht-Zweitinstrument für Studierende anderer Instrumente verlangt, da es hilft, musikalische Zusammenhänge ganzheitlich zu verstehen und mehrere Stimmen, Harmonien und Strukturen gleichzeitig sichtbar und hörbar zu machen. Natürlich besitzt das Klavier auch auf klanglicher Ebene viele faszinierende Möglichkeiten und kann durch verschiedene Techniken eine grosse Vielfalt an Farben und Ausdrucksformen erzeugen, gleichzeitig gilt dies aber auch für jedes andere Instrument. Jedes Instrument besitzt seine eigene Schönheit, seine eigene Sprache und seine besonderen Möglichkeiten, die es zu entdecken gilt. Ich glaube, dass Musiker*innen, auch Pianist*innen, immer ein wenig neidisch auf die Ausdrucksmöglichkeiten anderer Instrumente schauen, denn genau diese Vielfalt macht die Welt der Musik so einzigartig.
Worauf achtest du besonders beim Unterrichten?
Im Mittelpunkt meines Unterrichts steht immer der Mensch, der vor mir sitzt. Deshalb gibt es für mich keinen starren Unterrichtsplan: Jede Unterrichtseinheit wird individuell auf die Ziele, das Niveau und die Persönlichkeit der Schülerin oder des Schülers abgestimmt. Gleichzeitig folgt mein Unterricht einer klaren langfristigen Struktur, die auf vier zentralen Phasen basiert: Interpretation, Improvisation, Kontrolle und Kreation. Für Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren finden die Lektionen bewusst wöchentlich für 60 Minuten statt, da Kontinuität einer der wichtigsten Faktoren für nachhaltigen musikalischen Fortschritt ist. Bei jüngeren Kindern wird die Unterrichtsdauer entsprechend ihrer Konzentrationsfähigkeit und ihres Alters angepasst.
Mein Ziel ist es, den Schüler*innen möglichst schnell Sicherheit und Kontrolle über ihr Instrument zu vermitteln: rhythmisch, melodisch und harmonisch. Dabei spielt die Improvisation eine zentrale Rolle. Sie dient in meinem Unterricht nicht nur der Kreativität oder dem freien Musizieren, sondern ist ein didaktisches Werkzeug, mit dem technische Fähigkeiten, musikalisches Verständnis und Selbstvertrauen deutlich schneller entwickelt werden können.
Sowohl Anfänger*innen als auch fortgeschrittene Pianist*innen profitieren von diesem Ansatz. Anfänger*innen finden dadurch früh einen natürlichen Zugang zum Instrument und erleben erste musikalische Erfolgserlebnisse, während fortgeschrittene Schüler*innen durch die Improvisation ihr Verständnis für Harmonie, Form und musikalische Zusammenhänge vertiefen und neue interpretatorische Möglichkeiten entdecken. Mein Anspruch ist es, meinen Schüler*innen nicht nur beizubringen, ein Instrument zu spielen, sondern ihnen Werkzeuge zu geben, mit denen sie Musik selbstständig verstehen, gestalten und erleben können. Denn musikalische Freiheit entsteht nicht durch das reine Auswendiglernen von Noten, sondern durch echtes Verständnis, bewusste Gestaltung und die Fähigkeit, Musik aus sich selbst heraus zu entwickeln.
Wie baust du deine Musikstunden auf?
Der Aufbau meiner Unterrichtsstunden wird jede Woche individuell auf die jeweilige Schülerin oder den jeweiligen Schüler abgestimmt und richtet sich nach dem aktuellen Niveau, den persönlichen Zielen und den jeweiligen Bedürfnissen. Es gibt daher keinen festen Ablauf für jede Stunde, sondern eine massgeschneiderte Struktur, die sich mit der Entwicklung des Schülers weiter anpasst. Als Beispiel kann eine allgemeine 60-minütige Einzelstunde jedoch folgendermassen aufgebaut sein:
1. Arbeit am Repertoire und Besprechung der Wochenarbeit (ca. 40%)
Der erste Teil der Stunde ist der Überprüfung der Arbeit aus der vergangenen Woche, der Korrektur von Fehlern und der Weiterentwicklung des aktuellen Repertoires gewidmet. Dabei geht es nicht nur um die Genauigkeit der Noten, sondern auch um Technik, Phrasierung, Interpretation, Stil und ein tieferes Verständnis des Werkes.
2. Technik, Improvisation und Entwicklung musikalischer Fähigkeiten (ca. 25%)
Technische oder musikalische Herausforderungen werden häufig mit gezielten Übungen und Improvisationstechniken bearbeitet. Improvisation dient dabei nicht nur als kreativer Moment, sondern als konkretes Werkzeug zur Entwicklung von rhythmischer, melodischer und harmonischer Kontrolle. Dadurch können Schüler*innen auch das geschriebene Repertoire tiefer verstehen und sicherer beherrschen.
3. Gehörbildung und angewandte Musiktheorie (ca. 15%)
Ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts ist die Schulung des Gehörs sowie die praktische Anwendung von Musiktheorie. Ziel ist es, Harmonien, Strukturen, Klangfarben und musikalische Zusammenhänge bewusst wahrzunehmen, damit die Schüler*innen Musik nicht nur lesen, sondern wirklich verstehen lernen.
4. Kreative Improvisation und persönliche musikalische Entwicklung (ca. 20%)
Zum Abschluss der Stunde gibt es häufig eine freie Improvisationsphase, die mit den Themen der Lektion verbunden ist. Die Schüler*innen improvisieren beispielsweise ausgehend von einem Bild, einem Titel, einer Emotion oder einer musikalischen Vorstellung. Dieser Teil fördert Fantasie, Ausdruck und die Entwicklung einer eigenen musikalischen Persönlichkeit.
Mein Ziel ist es, dass eine Unterrichtsstunde nicht nur aus dem Lesen und Wiederholen von Noten besteht, denn diese Arbeit kann auch zu Hause stattfinden. Die wertvolle Zeit im Unterricht soll genutzt werden, um jene Fähigkeiten zu entwickeln, die eine persönliche Begleitung benötigen: Musik verstehen, hören, interpretieren, improvisieren, gestalten und schliesslich selbstständig musikalisch denken zu können.
Wie gehst du bei Kindern vor?
Bei Kindern arbeite ich besonders mit ihrer natürlichen Neugier und Kreativität. Kinder haben oft einen sehr direkten und spontanen Zugang zur Musik, und wenn diese Kreativität richtig gelenkt wird, kann das Lernen des Instruments gleichzeitig effektiv und spielerisch sein. Die Improvisation ist dabei ein besonders natürlicher Einstieg: Schritt für Schritt lernen die Kinder den Unterschied zwischen zufälligem Spielen und einer bewussten musikalischen Idee. Wir beginnen mit einfachen Konzepten, zum Beispiel einer einzigen Note, und erforschen, wie daraus durch Dynamik, Rhythmus, Klangfarben und verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten eine ganze musikalische Welt entstehen kann. Auch wenn der Unterricht mit Kindern langsamer und spielerischer aufgebaut ist, bleibt er immer zielgerichtet. Mein Ziel ist es, dass Kinder nicht nur Noten lesen und technische Grundlagen entwickeln, sondern Freude daran haben, Musik zu verstehen, zu entdecken und selbst zu gestalten. In den letzten fünf Jahren habe ich regelmässig zwischen 15 und 20 Schüler*innen pro Woche unterschiedlichen Alters unterrichtet, und mein Ansatz hat sich unabhängig vom Alter bewährt, da er immer individuell an die jeweilige Person angepasst wird.
Was war bis anhin dein tollstes Erlebnis als Musiker?
In meiner bisherigen musikalischen Laufbahn durfte ich viele besondere Erlebnisse sammeln, darunter erfolgreiche Wettbewerbe, zahlreiche Konzerte sowie die Aufnahme in verschiedene Bachelor- und zwei Masterstudiengänge. Die Erfahrung, die mich jedoch am meisten geprägt hat, war eine Konzerttournee durch Japan. Vor einigen Jahren spielte ich vier Konzerte in Tokio, Kagoshima, Tokushima und Osaka. Es war mein erster Aufenthalt in Japan, und ich war tief beeindruckt von der aussergewöhnlichen Herzlichkeit und Wertschätzung, mit der ich empfangen wurde. Nicht nur das Publikum, sondern auch Menschen, denen ich im Alltag begegnete, freuten sich darüber, einen italienischen klassischen Pianisten kennenzulernen. Die Gespräche nach den Konzerten, Autogramme und gemeinsame Fotos machten diese Reise für mich unvergesslich. Auch die japanische Kultur hat mich nachhaltig beeindruckt, besonders weil meine damalige Klavierlehrerin in Berlin Japanerin war und mir schon viel über ihr Heimatland erzählt hatte. Diese Tournee war für mich weit mehr als eine Reihe von Konzerten: Sie war eine wertvolle menschliche und künstlerische Erfahrung, die mir gezeigt hat, dass Musik eine universelle Sprache ist, die Menschen über alle kulturellen und sprachlichen Grenzen hinweg miteinander verbindet.
Welches war die grösste Bühne, auf der du gespielt hast?
Die grösste Bühne, auf der ich bisher gespielt habe, war wahrscheinlich die Houzan Hall im Kagoshima Prefectural Cultural Center in Kagoshima, Japan. Der grosse Konzertsaal verfügt über etwa 1'500 Sitzplätze und war Teil meiner Konzerttournee durch Japan, bei der ich unter anderem in Tokio, Kagoshima, Tokushima und Osaka aufgetreten bin. Es war eine besondere Erfahrung, vor einem so grossen Publikum in einem bedeutenden Kulturzentrum aufzutreten und die Verbindung zwischen klassischer Musik und Menschen aus einer anderen Kultur zu erleben.
Mit welcher*welchem Musiker*in würdest du gerne einmal spielen?
Wenn ich mit einer Musikerpersönlichkeit spielen könnte, die leider nicht mehr lebt, würde ich mir wünschen, mit Ennio Morricone bei einem Kaffee am Klavier zu sitzen und gemeinsam einige schöne Melodien zu improvisieren. Seine Musikalität hat mich immer tief berührt, und seine Art zu komponieren steht mir in vieler Hinsicht sehr nahe.
Ich bewundere besonders seine Fähigkeit, mit einfachen musikalischen Ideen eine enorme emotionale Wirkung zu erzeugen und Geschichten durch Klang zu erzählen. Für mich ist Morricone ein grosses Vorbild, und ich habe eine tiefe Wertschätzung und Bewunderung für sein gesamtes Schaffen. Es wäre eine unglaubliche Erfahrung gewesen, mit ihm Musik zu teilen und von seiner Vorstellungskraft zu lernen. Ich hoffe, eines Tages auch nur einen kleinen Teil von dem erreichen zu können, was er in seinem Leben geschaffen hat.
Welche eine Platte würdest du auf die einsame Insel mitnehmen?
Ich würde «Give Me the Night» von George Benson mit auf eine einsame Insel nehmen. Ich liebe jedes Stück dieses Albums, und die musikalische Gestaltung hinter jedem einzelnen Song fasziniert mich sehr. Die Arrangements, die harmonische Sprache und die Verbindung zwischen Gesang, Groove und Instrumentierung sind für mich aussergewöhnlich interessant.
Auf welcher Bühne würdest du am liebsten spielen oder spielst du am liebsten?
Die Bühne, auf der ich am liebsten spielen würde, wäre eine, auf der sich meine verschiedenen musikalischen Welten miteinander verbinden können. Mein grosser Traum wäre es, als Pianist mit Orchester meine eigenen Kompositionen aufzuführen, idealerweise mit den Berliner Philharmonikern in der Berliner Philharmonie. Diese Verbindung zwischen Klavier, Orchesterklang und meinen eigenen musikalischen Ideen wäre für mich eine der schönsten Formen des künstlerischen Ausdrucks. Wenn ich noch weiter träumen darf, würde ich auch sehr gerne einmal in der Sphere in Las Vegas auftreten, mit einem eher filmischen Repertoire, grossen Klanglandschaften, Synthesizern und einer Verbindung zwischen klassischer Musik, Filmmusik und moderner Technologie. Zusätzlich wäre es ein besonderer Wunsch von mir, eines Tages in den Abbey Road Studios in London aufnehmen zu dürfen, einem Ort, an dem Musikgeschichte geschrieben wurde und an dem viele der grössten Künstler*innen und Komponist*innen ihre Werke realisiert haben. Die Möglichkeit, an einem solchen Ort mit seiner einzigartigen Akustik, Geschichte und Atmosphäre zu arbeiten, wäre für mich eine aussergewöhnliche Erfahrung und eine grosse Inspiration.
Was ist neben der Musik noch wichtig in deinem Leben?
Neben der Musik ist die Kunst allgemein ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Wie bereits erwähnt, bin ich Synästhetiker und stamme aus einer Familie von Künstler*innen und Maler*innen. Meine andere grosse Leidenschaft ist daher das Malen sowie die visuelle Kunst im Allgemeinen. Für mich stehen die akustische und die visuelle Kunst in einem engen Austausch miteinander, und genau diese beiden Ausdrucksformen sind diejenigen, die ich am tiefsten kenne und erlebe. Einen besonderen Verbindungspunkt zwischen beiden Welten habe ich in der Komposition für Film und Bild gefunden, wo Musik und visuelle Gestaltung miteinander verschmelzen und gemeinsam eine Geschichte erzählen können.