Geige (Violine) und Bratsche (Viola) lernen bei
Viviane Ruof
Violine und Viola für Klassik, Tango, Folk sowie Körperarbeit
Viviane ist eine kreative Geigerin und Theaterschaffende, die europaweit auftritt und am liebsten Kunstformen verbindet.
Preis
10 Lektionen an 45 Min.: CHF 930
Für Kinder sind auch 30-minütige Lektionen möglich.
Standort
Elisabethenstrasse 11
3014 Bern
Nach Absprache
2502 Biel
Instrument
Geige (Violine) und Bratsche (Viola)
Musikstil
Barock, Klassik, Romantik, Tango, Flamenco, Latin, Rock`n`Roll, Irish Folk, Volksmusik und Genre-übergreifend
Niveau
Anfänger, Fortgeschrittene und Master
Sprache
Deutsch, Englisch und Französisch
Alter
Viviane Ruof unterrichtet Schüler*innen ab 3 Jahren
Das bringe ich dir bei
Die Vielfalt der Violine/Viola zu entdecken:
- Spieltechniken, Klangfarben, Stile
- effizientes Üben und genaues Hinhören (analytisch und intuitiv)
- Musizieren in Ensembles und Orchestern
- Vorbereitung für Prüfungen/Vorspiele/Konzerte
- Spielen und Singen gleichzeitig
- Kontextualisierung von Stücken
- Synergie zwischen Musik und anderen Künsten (beispielsweise durch einen Poetry Slam Text, den wir gemeinsam vertonen)
- deine musikalische Vorstellungskraft zu schärfen, sodass du das verwirklichen kannst, was du möchtest
- deinen eigenen Ausdruck zu finden
Ausbildung
Hochschule der Künste Bern, Bachelor of Arts Klassik, Hauptfach Violine bei Monika Urbaniak
Natura Akademie Laub bei Würzburg, Bachelor of Science in Naturheilkunde und komplementären Heilverfahren
Hochschule der Künste Bern, Master Expanded Theater am Master Campus Theater Schweiz (HKB, Manufacture Lausanne, Scuola Dimitri Verscio und ZhdK)
Berner Fachhochschule, Certificate of Engagement in Sustainability (Projekt nachhaltiges Lernen im Musikunterricht, You C Cards)
TONALi Bühnenakademie Hamburg, Stipendiat*innenprogramm (Kammermusik und Entwicklung neuer Konzertformate)
Projekte
TONALi, 1:1 Concerts, Duo TangoSauvage, Lil&Viv, Schweizer Jugendchor, Worlds Beyond Orchestra, Opernorchester Werdenberger Schlossfestspiele
Stücke / Werke von diesen Künstler*innen / Komponist*innen bringe ich dir am liebsten bei
Hildegard von Bingen, Claudio Monteverdi, Arcangelo Corelli, Henry Purcell, Georg Philipp Telemann, Antonio Vivaldi, Johann Sebastian Bach, Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Georges Bizet, Edvard Grieg, Fanny Hensel, Felix Mendelssohn Bartholdy, Clara Schumann, Robert Schumann, Johannes Brahms, Niccolò Paganini, Jean Sibelius, Cécile Chaminade, Sergei Prokofjew, Frédéric Chopin, Claude Debussy, Maurice Ravel, Gabriel Fauré, Josef Suk, César Franck, Benjamin Britten, Sándor Veress, Gustav Mahler, Lutosławski, Lili Boulanger, N. Boulanger, Astor Piazzolla, Carlos Gardel, Ángel Gregorio Villoldo, Juan Carlos Cobián, Juan D'Arienzo, Aníbal Troilo, Carlos di Sarli, Osvaldo Pugliese, Arvo Pärt, Steve Reich, George Gershwin, Daniel Schnyder, Grazyna Bacewicz, Kaija Saariaho, George Brassens, Charles Aznavour, Mani Matter und Caroline Shaw
Interview mit Viviane Ruof
Welche*r Musiker*in hat dich am meisten beeinflusst?
Es sind verschiedene Menschen, die mich sehr inspiriert haben, manchmal in kurzen Begegnungen, die wie Funken etwas in mir entzündet haben, und manchmal im regelmässigen Kontakt über Jahre hinweg wie mit unserem fantastischen Oberstufenmusiklehrer, der mit uns ins Konzert oder auf Studienreisen nach Mantua, Leipzig und Wien gegangen ist. Er hat uns eine grosse Liebe zur Musik vermittelt und gezeigt, wie weitläufig die musikalische Landschaft ist.
Besonders spannend finde ich Menschen, die nicht nur etwa Geiger*innen oder Flötist*innen sind, sondern Musiker*innen durch und durch. Sie philosophieren, hinterfragen, gehen neue Wege, forschen immer weiter und verknüpfen verschiedene Gebiete und Ebenen. Ivry Gitlis ist für mich ein solches Beispiel. Er hatte einen unfassbar schönen Klang, wie ich finde, grosses geigerisches Können, gab sich aber nicht zufrieden und erweiterte stetig seinen Horizont.
Beeindruckend war für mich auch eine Begegnung während der Werdenberger Schlossfestspiele: Ich spielte abends im Opernorchester und hatte tagsüber Zeit, das Toggenburg auf ausgedehnten Wanderungen zu erkunden. Da traf ich einen Senner, wir begannen über die Musik zu sprechen und er hob an, Naturjodel zu singen. Der herbe und doch reine Klang breitete sich über die Bergwiesen aus und kam als Echo von den Felswänden zurück. Das war ein wunderbares Erlebnis und hat mir wieder gezeigt, wie sehr ich die Begegnung von Natur und Kultur liebe.
Was kannst du mir auf deinem Instrument besser beibringen als alle anderen Lehrer*innen?
Ich helfe dir dabei, deinen ganz individuellen Klang zu finden, einen guten Boden zu haben, der dich auch bei Nervosität vor Auftritten stabil trägt, eine natürliche, aufrechte Haltung zu haben, die dir eine mühelose Technik ermöglicht, und genau die Stücke zu finden, die dich gerade motivieren und weiterbringen.
Es ist mir ein Anliegen, dass du mit dem Gefühl nach Hause gehst, etwas Aufstellendes, Bereicherndes erlebt zu haben und dass gleichzeitig unsere gemeinsame Arbeit an Technik, Klang und Musiktheorie profund und konzentriert ist.
Wie hast du dein Instrument spielen gelernt?
Als kleines Kind bin ich in einem unbeobachteten Moment mit schelmischer Freude auf die Tastatur unseres Klaviers geklettert und habe bei offenem Deckel beobachtet, welche Saiten mit dem Hammer angeschlagen werden, während ich unten auf den schwarzen und weissen Tasten entlangspazierte. Das war natürlich ein grosser Spass, (solang ich unentdeckt blieb), es störte mich aber, dass der Ton irgendwann aufhörte, wenn ich ihn nicht wieder mit den Zehen anschlug. So kam ich zu den Streichinstrumenten, das kleinste und höchste gefiel mir besonders. Einige Jahre später durfte ich dann in die Geigenstunde und war – wenn auch die Lust zu üben manchmal gar klein war – sehr glücklich. Später wollte ich ins Jugendsinfonieorchester, aber bei der nächsten Audition waren keine Violinen, sondern nur Violas ausgeschrieben. Also habe ich gelernt, Bratsche, die grosse Schwester der Geige, zu spielen. Jetzt wechsle ich ab und spiele auf beiden Instrumenten.
Wie gehst du vor, wenn du selber einen Song schreibst oder ein Stück komponierst?
Ich habe zwei verschiedene Ansätze. Manchmal formt sich eine Komposition aus dem Spielen heraus, ich nehme das Instrument zu Hand, spiele frei von der Leber weg und finde plötzlich ein Motiv, das mein Interesse weckt und das ich dann festhalte und entwickle. Im zweiten Schritt mache ich mir Gedanken zu Form, Länge, Besetzung, Aussage und Aufführungsmöglichkeit.
Die andere Herangehensweise ist angestossen durch äussere Einflüsse: durch einen Gesprächsfetzen, eine Textpassage, die Sequenz aus einer Choreografie oder einen konkreten Auftrag mit festgelegtem Thema und Aufführungsort. In diesem Fall entsteht zuerst die Form, die sich nach und nach mit Inhalt füllt.
In beiden Fällen kommt nach der Fertigstellung eine wichtige Phase des Vorspielens und Überarbeitens, wo ich Rückmeldungen einfliessen lasse und Kanten schleife bis das Stück rund ist.
Auf welchem Equipment spielst du heute?
Ich spiele
1) auf der Violine meines Urgrossvaters, die in ihrer über 200jährigen Biografie eine abenteuerliche Reise kreuz und quer durch verschiedene Länder Europas erlebt hat. Sie hat einen besonderen Klang und ich habe einen persönlichen Bezug zu ihr.
2) auf einer warm klingenden, kleinen, feinen Viola, die gut in meine Hände passt (die Grösse der Instrumente kann sehr variieren), die ich bei einer Geigenbauerin in der Bieler Altstadt gefunden habe.
3) Ich singe. Das ist eigentlich das Schönste: den eigenen Körper als Instrument und Klangkörper zur Verfügung zu haben – egal, wohin man geht.
Welche persönliche Eigenschaft hat dir beim Üben am meisten geholfen?
Meine grosse Neugier hat mir geholfen, immer einen Schritt weiter zu gehen und zu entdecken, verfeinern und vertiefen. Dadurch konnte ich mir stetig neues Repertoire erschliessen, Menschen kennenlernen, mit denen ich zusammenspielen wollte und verschiedene Spielweisen und Stile entwickeln, die dasselbe Notenmaterial in vielen verschiedenen Farben erklingen lassen können. Ausserdem waren Ausdauer, Geduld und sorgfältiges Hinhören gute Begleiter. Im Schneckentempo kam ich beim Üben oft viel weiter als wenn ich schnell sein wollte.
Was hat dein Instrument, was andere nicht haben?
Mir gefällt, dass der Resonanzkörper so kunstvoll aus Holz gefertigt wird und die Geschichte der Bäume und der Landschaft um sie herum weiter mitschwingt. Die Geige klingt warm, voll und präsent und hat gleichzeitig eine kristallklare Höhe, die sie auszeichnet. Sie ist ein kleines Instrument (das sich gut auf dem Velo oder in der Nachtzugkabine mitnehmen lässt) und vermag es bei aller Zartheit, unverstärkt grosse Säle mit über 2’000 Leuten klanglich zu füllen und ein grosses Volumen zu entfalten.
An der Bratsche mit ihrer tieferen Stimmung gefällt mir der umarmende, tragende, vollmundige Klang. Sie spielt im Ensemble oft eine Mittelstimme, die Bass und Melodie verbindet oder eine spezielle Textur hinzufügt.
Worauf achtest du dich besonders beim Unterrichten?
1) Es soll Freude bereiten und bereichernd sein.
2) Respekt und Anerkennung des Gegenübers in seiner/ihrer Einzigartigkeit sind mir wichtig. Ich gehe auf spezielle Anliegen ein.
3) Abwechslung und verschiedene Weisen zu lernen: übers Hören, mit visuellen Kartensets, Spielen, Farb- und Notenpartituren, improvisierend, durch call and response, via Kontext, aus der eigenen Kreativität heraus oder ausgehend von mitgebrachten Wünschen…
4) Kontinuität und gute Kommunikation, sodass wir viele kleine und grosse Schritte gehen können.
Wie baust du deine Musikstunden auf?
Ich baue sie aus verschiedenen Sequenzen auf, die das Musizieren aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Das kann z.B. so aussehen:
-Warm up für Körper und Hände
-Kurzes Checkin wie es allgemein und musikalisch geht
-Rückblick auf die letzte Stunde/Woche und was wie umgesetzt wurde, Fragen
-Wiederholen und Festigen
-Neuen Abschnitt oder neues Stück fadenschlagen und ich erzähle z.B. etwas zu geschichtlichem/musikalischem Kontext oder wir nehmen ein bestimmtes Thema wie Sautillé (Wurfbogentechnik) unter die Lupe
-Vielleicht spiele ich zur Inspiration etwas vor
-Wir improvisieren zusammen, machen Rhythmusspiele oder komponieren
-Zusammenfassen und Festhalten der wichtigsten Punkte
Wie gehst du bei Kindern vor?
Ich entwickle die geigerischen Themen aus dem Spielen heraus und knüpfe an Dinge aus dem Alltag an, die das Kind gerade faszinierend findet, vom klanglich bebilderten Gewitterspaziergang mit Donner und Hagel bis zur Piratenmusik auf hoher See. Ausgehend davon flechte ich Notenschrift, Rhythmus, Violintechnik usw. ein, ohne dass es anstrengend oder theorielastig ist. Am Ende notieren wir das Erarbeitete in einem Notizbuch, in das die Kinder und ihre Eltern schauen können und das auf die ganze Lerngeschichte zurückblicken lässt.
Was war bis anhin dein tollstes Erlebnis als Musikerin?
Meine Gedanken werden sofort durchwirbelt von vielen wundervollen Erlebnissen. Wenn ich daraus einen Moment aussuchen muss, kommt mir ein Tangofestival in den Sinn, wo wir als Duo in der Mitte der Tanzfläche mitten in der Nacht gespielt haben, während all die Tänzer*innen um uns herumwirbelten und das «Chr sch chr sch» ihrer Schritte mit unseren Rhythmen verschmolz. Es war zauberhaft zu beobachten, wie sie unserer Musik folgen und wir ihrem Schwung und ihren Bewegungen.
Welches war die grösste Bühne, auf der du gespielt hast?
Die erste grosse Bühne war das, dank glasklarer Akustik weltberühmte KKL in Luzern, wo wir mit dem Schweizer Jugend Sinfonieorchester aufgetreten sind.
Die Elbphilharmonie Hamburg hat ebenfalls eine ausgezeichnete Akustik und mehr als 2’000 Plätze, diese sind aber nicht frontal, sondern wie Weinberge rund um die Bühne angeordnet. Ich stand allein in der Mitte der Bühne, blickte hinauf in die funkelnden Lichter und Reihen erwartungsvoller Menschen und begann zu spielen. Das aufmerksame Lauschen all der Zuschauer*innen hat die Töne zum Fliegen gebracht.
Mit welcher*welchem Musiker*in würdest du gerne einmal spielen?
Mit der Pianistin Maria João Pires. Ihre Art zu spielen ist voller Lebendigkeit und zeichnet sich – obwohl sie weltberühmt ist – durch eine natürliche, unprätentiöse Einfachheit aus. Zudem rief sie viele künstlerische Initiativen ins Leben, die ich sehr spannend finde: von einem Kulturzentrum mitten auf dem Lande in Portugal, wo sie mit Gummistiefeln und Werkzeug genauso behände unterwegs ist wie auf den Klaviertasten, über ein Festival der Künste, wo Musik, Theater, Literatur und Tanz zusammenkommen, bis zu einem belgischen Chor für Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien.
Auf welcher Bühne würdest du am liebsten spielen oder spielst du am liebsten?
Das Spielgefühl in der Elbphilharmonie ist eindrücklich, weil der Saal durch seine runde Architektur und die Klangtransparenz trotz seiner massiven Grösse (der Saal fasst 40’000 Kubikmeter, wiegt 12’500 Tonnen und schwebt in 50m höhe, losgelöst vom restlichen Gebäude) einen einladenden und intimen Eindruck vermittelt.
Das fasziniert mich.
Genauso gerne spiele ich aber auch an klitzekleinen Veranstaltungsorten, auf Bühnen unter freiem Himmel oder gleich auf dem Waldboden. Einmal habe ich in den Bergen am Dreiländereck F/I/CH ein Wandelkonzert auf einem Gletscherstein, einer Alpenwiese und stehend in einem knietiefen Fluss gespielt. Ich musste gut aufpassen, wo ich hintrete in der Strömung, aber das Erlebnis war unvergesslich, weil sich das Rauschen mit den Naturstimmen und der Musik verwoben hat.
Was ist neben der Musik noch wichtig in deinem Leben?
Aarebaden im Sommer wie Winter. Tangotanzen. Kochen mit Gewürzen und Kräutern. Immer wieder Dinge ausprobieren, die ich noch nie gemacht habe.