Gesang lernen bei

Sofia Liebermann

Körperbasierte Stimmimprovisation (genreübergreifend & stilunabhängig)

Sofia ist eine Stimm- und Bewegungskünstlerin mit internationaler therapeutischer und künstlerischer Ausbildung. Die transformative Kraft des musikalischen, körpereigenen (Heil-)Instruments Stimme ist u.a. ihr Forschungsgebiet für kreativ und kompositorisches Kunstschaffen, performatives Teilen und allem voran spielerische Persönlichkeits- und Bewusstseinsentwicklung. Durch das somatische Eintauchen in Stimme und Bewegung findet sie Wege in ein erlebtes Gefühl von Zuhause, Präsenz und Sinn im eigenen menschlichen Körper und Dasein, die sie mit jedem*jeder Interessierten, Suchenden oder Neugierigen gerne und aus einer grossen Hingabe heraus teilt.

Preis

10 Lektionen an 45 Min.: CHF 790

Für Kinder sind auch 30-minütige Lektionen möglich.

Porträt von Sofia Liebermann

Standort

Waisenhausplatz 30
3011 Bern

Instrument

Gesang

Musikstil

Freie Improvisation

Niveau

Fortgeschrittene und Anfänger

Sprache

Deutsch, Englisch und Schwedisch

Alter

Sofia Liebermann unterrichtet Erwachsene und Kinder ab 4 Jahren

Interview mit Sofia Liebermann

Welche*r Musiker*in hat dich am meisten beeinflusst?
Durch die schwedische Herkunft meiner Mutter und die grosse Liebe meines Vaters zur klassischen sowie afro-amerikanischen Musik waren in meiner Kindheit besonders die Stimmen des Motown-Souls, die lyrische Musik des Impressionismus und der Spätromantik sowie die traditionellen Klänge des hohen Nordens prägend für mich. 
Als Kind wollte ich lange Musical-Darstellerin werden, weil in unserer westlichen Kultur da Stimme und Bewegung, Gesang und Tanz zusammen kommen als eine Kunst. Doch schliesslich lernte ich verschiedene, genreübergreifende Formen mit anderen Ästhetiken davon kennen, die auch nicht primär der Unterhaltungskunst angehören und mich daher mehr interessierten.
Heute gibt es die unterschiedlichsten Gründe, weshalb mich ein*e Musiker*in und/oder Sänger*in in den Bann zieht und seine*ihre Spuren bei mir hinterlässt: ein unvergleichbares Timbre, die Dynamik des Storytellings, eine ganz bestimmte klangliche Landschaft, eine unverkennbare Rhythmik ihrer/seiner Phrasierung uvm.
 Dazu gehören zB Somi, This is the Kit, Björk, Hiatus Kyote, Laura Mvula, Avishai Cohen, Sidsel Endresen, Emil Brandqvist Trio, Lianne LaHavas, Gretchen Parlato, Debussy, Danit, Bon Iver, Skúli Sverrisson, Silvia Pérez Cruz oder HaBanot Nechama, um darunter auch ein paar Stimmen zu nennen.
 Dabei resonieren die verschiedensten Stile und Klänge einer Stimme und/oder Musik mit verschiedenen Teilen von mir auf unterschiedliche Art und Weise. 
Es kann vorkommen, dass mein Herz liebt, was andere Teile von mir gar nicht so mögen oder mein Körper seine ganz eigenen Präferenzen hat, die wenig mit meiner persönlichen Ästhetik oder meinem Geschmack zu tun haben. Auch mein Geist oder Verstand kann total inspiriert sein von etwas, das mich emotional gar nicht unbedingt besonders berührt. Ich erfahre dabei, dass wenn durch eine Musik einige dieser Dimensionen von uns gleichzeitig angesprochen werden, dies ausgleichend und vermittelnd wirkt zwischen genau diesen differenzierbaren Wesensanteilen von uns als Musik-Machenden oder -Empfangenden. Beim Resonieren und Durchdringen tatsächlich aller oder vieler unser solcher Dimensionen zusammen ist die Erfahrung transzendal. Dies ist rar, kostbar und sind lebens-/wesensverändernde Momente.
Es wirft die Frage auf, welche unserer Wesensteile wir üblicherweise (ob passiv oder aktiv) musizieren lassen. Und weshalb? Was ist Musik daher für mich/dich primär? Die Forschung nach diesen Antworten kann unser inneres musikalisches Repertoire und das Bewusstsein für unsere eigene Resonanz ins Endlose erweitern und vertiefen. 
Um auf die Frage zurück zu kommen, vermutlich künstlerisch am allermeisten geprägt haben mich geschätzt und geliebte Freund*innen, Kolleg*innen und Lehrer*innen. Dazu gehören u.a. Kristinn Kristinsson, Nives Onori, Sissel Vera Petersen, Bobby McFerrin, Lester Menezes, Elise Tolan und Irena Z. Tomažin.

Was kannst du mir auf deinem Instrument besser beibringen als alle anderen Lehrer*innen?
Ich habe mich intensiv mit dem Phänomen der körpereigenen Musikalität auseinander gesetzt. Beim Instrument der Stimme ist dies besonders von Bedeutung, da unser individueller Körper eine eigene, jeweils einzigartige und unvergleichbare Melodik, Harmonik und Rhythmik bereits in sich trägt, die direkter Ausdruck unseres (sich wandelnden und ständig weiterentwickelnden) Wesens ist. Daraus schöpfe ich in meiner eigenen Arbeit Inspiration und Authentizität beim Komponieren, Üben, Unterrichten sowie im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten und Mitmusiker*innen. Es erlaubt mir, meinem und deinem Instrument in jedem Moment auf’s Neue mit Neugierde möglichst anspruchslos zu begegnen, denn es ist so zu sagen jedes Mal ein anderes. 
Ausserdem bringe ich aus eigener Erfahrung ein tiefes Verständnis mit, wie die Ausdrucksfähigkeit und das Erleben unserer eigenen Stimme gleichermassen unsere körperliche sowie psychische und emotionale Verfassung widerspiegelt. Stimmarbeit sowie Ausdruck unserer Stimmlichkeit/Stimmung sind daher so intim wie kaum etwas anderes und setzen unmittelbar Energien in uns und unserem Körper in Bewegung. Dies kann einfach nur grossen Spass machen und ein Wohlgefühl sowie eine Ausgeglichenheit in und mit uns selbst hervorbringen, und es kann dabei auch Dinge in Bewegung setzen, die eventuell auch mit schwierigen Themen in Verbindung stehen.
 Als sowohl pädagogisch wie auch therapeutisch ausgebildete Begleitfigur hat bei mir beides Raum, falls gewünscht oder bei akutem Bedarf. Wir gehen aber einfach mit was gerade da ist und lassen uns davon in mehr somatische oder mehr künstlerische Formen der Stimmforschung führen. Was auch immer dabei auftauchen mag (oder nicht) ist willkommen.
 Für wer möchte, kann Stimme – nebst der reinen Freude und des Spasses wegen – ein Geschenk und wunderbarer Spiegel sein für Selbsterkenntnis, spielerische Persönlichkeitsentwicklung und Heilprozesse.
Eine meiner weiteren Spezialitäten liegt in der Mehrstimmigkeit, zum einen mit anderen Vokalstimmen zusammen und zum anderen mit sich selbst (zB bei Aufnahmen von Vocals oder Loop-Verwendung). Du kannst mit mir gemeinsam erforschen, was es genau ausmacht, dass zB ein Mehrklang sich öffnet, es eine Sogkraft erhält oder wann genau mehrere melodische Stimmen zu einem einzigen harmonischen Klang fusionieren. 
Durch Stimme & Gesang und die Körperlichkeit dessen können wir uns wunderbar darin üben, mit anderen und uns selbst wortwörtlich zu harmonieren. Das Zuhören und Hören hat dabei eine Schlüsselfunktion und kannst du mit mir ohne einen (zwingend) musiktheoretischen Ansatz üben und weiter entwickeln. 
Meine Erfahrung ist, dass wir solche Fähigkeiten in einem Unterricht wie diesem zwar ’nur’ musikalisch/stimmlich angehen, doch diese sich dabei automatisch in entsprechende Lebens- und Persönlichkeitsbereiche sowie folglich auch in unsere zwischenmenschlichen Beziehungen überführen und ganzheitlich ausweiten.

Wie hast du singen gelernt?
Ich singe seit ich mich erinnern kann und tat das bereits als Kind nur nicht, wenn etwas mit mir nicht in Ordnung war oder ich in Schmerzen lag. Das ist bis heute so und bedeutet, dass wenn ich ganz aufhöre zu singen, etwas mit mir (wortwörtlich) nicht stimmt, und wenn ich singe, es mir gut geht und das gesunde Ausdrücken meiner Stimmung und Stimmigkeit intakt ist. Auf meinem Lebensweg ist meine Stimme daher zu meinem Kompass Nr. 1 für meine Gesundheit, mein Wohlergehen und meine Resonanz mit mir selbst und anderen/m geworden. Dieser zeigt mir stets (manchmal gnadenlos) auf, wo ich gerade stehe sowie auf was ich zusteuere und hält mich mit seinem feinen Instrument pflichtbewusst auf dem (richtigen) Kurs. Bis ich mit 16 Jahren das erste Mal Gesangsunterricht (damals klassisch) genossen und meine Gesangsausbildung bis hin zum Jazz-Studium begonnen habe, waren mein Gehör, meine Neugierde und Begeisterung an der Empfindung von Klang und Musik in meinem Körper meine Lehrer für Stimme und Gesang. Diese sind bis heute noch die wichtigsten.

Wie gehst du vor, wenn du selber einen Song schreibst oder ein Stück komponierst?
Ganz unterschiedlich. Viele meiner Stücke fanden ihren Anfang mit einem Leitmotiv, das aus einer bestimmten Stimmung heraus in Kürze über anfangs vielleicht belangloses, improvisiertes Trällern oder über ein wiederkehrendes Bewegungsmuster entstand und meine Stimme einfach liebte (gar drängte), immer wieder zu singen und/oder zu spielen. Oft sind es auch geschriebene Texte, Gedichte oder Fragmente persönlicher Briefe, die in sich für mich bereits eine ganze Melodik und Rhythmik eines Stücks tragen. Dazu erforsche und finde ich dann deren Harmonie- und Songstruktur meist anhand der emotionalen Stimmung.
Ich tu dies entweder am Klavier oder auch gerne komplett nach Gehör durch das Überlagern meiner eigenen Stimme (per Aufnahme-Software wzB Logic Pro/Garageband oder per Loopstation) ohne Hilfe eines spezifisch gestimmten Harmonieinstruments. Dies erlaubt mir meine körper- und stimmeigene Harmonie und die Stimmung meines eigenen Instruments unbeeinflusst zu erfassen. Ich finde das unglaublich spannend zu entdecken!
Auch ein eingeschränktes oder konditioniertes Verständnis von Reinheit innerhalb der wohltemperierten Stimmung von 440Hz wird dabei auf natürliche Weise aufgebrochen. 
Andere Stücke kamen daraus, dass ich eine Harmoniestruktur bereits in mir vollständig hörte, mich selbst dann am Klavier transkribieren ging und erst später ihre Form sich allmählich in Melodien, Wörter oder Laute ausfächerte.
Als therapeutisch ausgebildete Bewegungskünstlerin erlaube ich ausserdem mit grossem Interesse auch gerne meinem Körper, meinem Geist seine Musik als Inspiration für Komposition zu offenbaren. Dabei folge ich vor allem empfundenem Genuss und Dringlichkeit für Ausdruck (in Bewegung, Klang, Stille, Bild, Wort und Schrift), ohne es mit dem Verstand erst einordnen zu müssen. So kann ich mich stets selber überraschen und die Musik, die aus mir entsteht, hat die Möglichkeit über eventuell limitierende Gewohnheiten hinaus zu wachsen und die Kreativität meines Unbewussten oder auch eines transpersonalen, kollektiven Bewusstseins anzuzapfen. 
Ausser es liegt ein bestimmter Auftrag vor, bin ich bei meiner eigenen Musik selten eine effiziente oder besonders produktive Komponistin. Denn viele meiner Kompositionen haben sich über Monate oder sogar Jahre in mir erst zusammengebraut, bevor ich überhaupt anfing etwas davon "niederzuschreiben". Sobald dieser Moment kommt, in dem die Musik in mir drängt, in ein physisches Format herunter gebrochen zu werden, komm ich meist in einen Hyperfokus und eine gewisse kreative Obsession und es geht dann auch oft ziemlich schnell bis ein Stück steht. Diese Art des Komponierens fühlt sich für mich vor allem sehr organisch an und vergleichbar mit einer Schwangerschaft und dem Geburtsprozess einer Schöpfung zu einem eigenständigen Wesen. Sprich es ist die Kreation selbst, die entscheidet, wann es reif ist, geboren zu werden und nicht ich. Das heisst Komponieren muss bei weitem nicht nur der aktive Teil von Schreiben, Spielen und Ausprobieren sein. In meinem Fall scheint es tatsächlich grösstenteils aus der inspirierten Stille und inneren Raumgebung davor zu bestehen.

Auf welchem Equipment spielst du heute?
Mit meiner Loop-Station Boss RC-505 MKII und meinem Boss VE-20 Vocal Performer verwende ich das solide Mikrofon Shure SM58 für die Minimierung von Feedback. Ansonsten benutze ich für einen etwas wärmeren, runderen Klang das dynamische Mikrofon Beyerdynamic TG V70. Bei Gesangs- und Sprachaufnahmen mit der Musik-Software Logic Pro verwende ich für einen detailreichen Sound und bei einer Klang-Präferenz eines leiseren, intimeren Stimmeinsatzes das Kondensator-Mikrofon Røde NT1-A. 

Welche persönliche Eigenschaft hat dir beim Üben am meisten geholfen?
Für tiefgreifendes Lernen stets eine persönliche, emotionale Verbindung zum Material schaffen als Basis für Motivation/Antrieb von innen heraus, selbst wenn dies "langweilige" technische Arpeggio- oder Gehörbildungs-Übungen sein sollten. Und wenn's da nichts gibt, das Durchstieren sein lassen und andere Wege finden, die zurück in die Begeisterung und über unsere Sinne wieder in den Genuss führen. Von dort aus kommt die Motivation wieder organisch von alleine ins Fliessen. Denn es ist in meiner Erfahrung nicht die Handlung per se, sondern diese Sinn-lichkeit, die das mechanische Ausüben einer Funktion zum erlebbaren Praktizieren kreativer Kunst werden lässt.
Das heisst das lieb sein mit meinem Instrument als ein vermittelnder Korpus von energetischen Zuständen und Prozessen. Sprich das Verständnis, dass die Stimme wie kein anderes unsere inneren und äusseren Zustande unmittelbar widerspiegeln und offenbaren. Das macht dieses menschliche Instrument so grossartig und kraftvoll und auch delikat, manchmal schwierig. Das Ehren, für wenn und wie es klingen mag, und wenn und wie nun mal gerade nicht, ist für mich zentral für die Stimmpflege beim Üben und die Vermeidung von Frustration und schädlichem Stimmansatz. Ich versuche stets einer destruktiven Überambition von "mind over matter" entgegen zu wirken. Wir bewegen uns und kommen nur so weit, wie wir Geist und Körper zu verbinden und verbünden wissen.
 Auf meinem eigenen Weg war es ausserdem sehr wichtig, mir immer wieder bewusst zu machen, dass was für ein anderes Stimminstrument (oder gar die meisten) wunderbar funktioniert, nicht zwingend auch für mein eigenes kompatibel ist. Niemand kennt unser eigen Instrument besser als wir selbst, egal wie erfahren die Lehrperson in dieser Arbeit sein mag.

Was hat dein Instrument, was andere nicht haben?
Beim Singen erforschen und ko-kreieren wir nicht nur den Klang und die Musik, die unser Herz aufgehen und/oder unseren Geist erwachen lässt, sondern lernen dabei unseren eigenen Körper als das unmittelbare Medium für solch Inspiration und kreativen Ausdruck unseres Wesens näher kennen. Da ist nichts mehr zwischen mir selbst und meiner/unserer Kunst. 
Durch dieses unvergleichbar Unmittelbare birgt die Stimme daher ein Geschenk in der Gabe, auf einzigartige Weise berühren, bewegen und gar heilen zu können. Wir kultivieren bei der Stimmarbeit also spielerisch das Verständnis für und die Beziehung zu uns selbst und lernen, was denn eigentlich wirklich in unserem ganz eigenen Körper resoniert und was weniger. Von da aus können wir bewusster in Kontakt zu unserer Umwelt und mit anderen Klangkörpern treten und stehen. Wir geben dabei unserem Wesen und unserer Inspiration eine Stimme (nicht nur musikalisch), fördern unsere Fähigkeit zur Selbstregulation und kurbeln beim Singen, Summen und Klingen nebenbei (sogar wissenschaftlich erwiesen) auch gleich noch unser Immunsystem und unsere Selbstheilungskräfte an, während unser Körper allerlei Glückshormone ausschüttet.
Wir sind vielleicht nicht unbedingt alle Instrumentalist*innen oder spezifisch traditions-bezogene (wzB Jazz-, Opern-, Musical-, Rock- Fado-) Sänger*innen, doch wir sind im Grunde alle Vokalist*innen und alle Tänzer*innen. Es ist unser Geburtsrecht, das mit jedem menschlichen Körper kommt.

Worauf achtest du dich besonders beim Unterrichten?
Mein Unterricht besteht weniger daraus, dass du unbedingt Neues von mir lernst, sondern mehr, dass ich dich dabei begleite, dich deiner selbst zu erinnern und weiter zu offenbaren. Denn die natürlichste und beste Stimmtechnik besitzen wir womöglich sogar als Säuglinge, die völlig unbewusst mit perfektem Körper- und Stimmeinsatz frei klingen und stundenlang mit unfassbarem Klangvolumen schreien können, ohne je heiser zu werden oder stimmlich zu erschöpfen. 
Ich begleite dich mit Freude dabei, dieser Ursprünglichkeit – das heisst noch vor all den vielen Konditionierungen und Prägungen unserer Leben und Gesellschaft – dich somatisch zu erinnern und bewusst zu machen. Um vielleicht mehr Freiheit und Vertrauen in deiner Ausdrucksfreude zu gewinnen sowie mehr Bewusstsein über was (von dir gewünschten) stimmlichen Fertigkeiten möglicherweise im Wege stehen könnten. Das bewusste und differenzierte Hören von uns selbst (und anderen), sprich das aufmerksame Zeitverbringen mit unserer Stimmlichkeit, führt in meiner Erfahrung dabei zur so genannten "vocal control”, welche uns einen feinmotorisch versierten Stimmeinsatz in verschiedenen, ausgewählten Ästhetiken ermöglicht. Es ist alles bereits da und möchte nur von dir (wieder) entdeckt, erkannt und erinnert werden (ein Leben lang).
Über dein einzigartiges stimmlich-körperliches Instrument kannst du (und ich) nur von dir selbst lernen. Ich stehe dir dabei lediglich zur Seite als Spielpartnerin und gebe dir Tools mit, die bei der Erforschung des eigenen Instruments inspirieren können und helfen, kindliche Neugierde und Freude daran wieder zu finden und/oder weiter zu entfachen und kultivieren. 

Wie baust du deine Musikstunden auf?
Bei Jugendlichen und Erwachsenen fange ich gerne mit einer meditativen Übung an zum Ankommen im Raum, im Körper und in der Stimme als somatisches Check-In zu Beginn. Dann frag ich dich, was du heute in den Raum bringst und ob du mit einem spezifischen Anliegen kommst oder einer Neugierde auf etwas konkretes. Möglicherweise fahren wir erst fort mit dem Aufwärmen unserer Stimmen, bevor wir uns dem näher zuwenden, zum Beispiel über Call & Response-Spiele, Klang-Nachahmungen, visualisierte Klänge und Phrasings, Improvisation & instant composition, Übungen zur gemeinsamen Mehrstimmigkeit oder körperbezogener Musikalität und Komposition. Ich offeriere dabei so viel Lead-Wechsel und Körpereinsatz, wie du dich damit gerade wohl fühlst und Lust hast und arbeite auch mit Hands-On, wenn du magst und sich das für uns stimmig anfühlt (jeweils nur mit Konsens).
Du wirst mit mir keine klassischen Stimmübungen am Klavier oder an einer festgelegten Tonleiter hoch und runter singen. Nicht weil grundsätzlich irgendetwas falsch daran wäre, sondern weil diese sich für mich persönlich einfach nie so richtig gut angefühlt und (in meinem Fall!) auch bezüglich Technik nicht als besonders hilfreich erwiesen haben. Tendenziell hat mich dieser Ansatz von Stimmbildung eher aus meinem Körper heraus in eine Verkopfung eines vorgesetzten Stimmideals und spezifischer musiktheoretischer Tradition statt in die erfahrbare Verkörperung, Resonanz und Kreativität meiner eigenen Stimme gebracht. Letzteres interessiert mich einfach mehr. Doch jede*r ist anders und braucht verschiedenes, auch unterschiedliche Dinge zu verschiedenen Zeiten. Die Stunden finden in einem Raum statt, der Bewegung zulässt.

Wie gehst du bei Kindern vor?
Wir spielen. Kinder bringen meist sofort ihre eigenen fantasievollen Geschichten, Wünsche und Träume in den Raum. Ich bin lediglich da, um mit Elan und Support diese aufzugreifen und sie über verschiedene Spiele und Übungen mit Stimme, Körper, Bewegung und Imagination durch diese Abenteuer zu begleiten. Dabei liegt mir vor allem am Herzen, die Neugierde und Freude des Kindes zu fördern, das musikalische Instrument des eigenen Körpers bewusst zu erfahren, erforschen und einen geschützten Raum zu haben, diese frei ausleben zu können. Auch Kinder, die mit unterschiedlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, sind sehr willkommen, dem mit mir zusammen in regelmässiger Zeit zusammen einen Raum zum Atmen und Ausdrücken zu geben und dabei Wege finden, diese kreativ zu verarbeiten und integrieren. 

Was war bis anhin dein tollstes Erlebnis als Musikerin?
Als mich mit 17 Jahren Bobby McFerrin innerhalb eines kleinen Kreises von Stimmen wortlos zum improvisierenden Vokal-Duett einlud. In diesem gemeinsamen stimmlichen Klingen wusste ich, dass ich genau das (in etwa) für den Rest meines Lebens tun muss, sollte ich glücklich sein wollen. So folgten einige ebenso bedeutsame kleine Momente, ob nun auf der Bühne wenn das Publikum Teil der Musik wird, beim Zuhören oder beim Proben und gemeinsamen privaten Musizieren. Die Augenblicke, in denen wir aus Liebe, Hingabe oder Freude an unseren Mitmusiker*innen und der geteilten Musik im Flow des gemeinsamen Kreierens uns für einen Moment lang in voller Präsenz aufzulösen scheinen.
Für mich sind es die kleinen Dinge, die riesig sind.
 Wenn immer meine Stimme (im weiteren Sinne) in irgendjemandem irgendwas bewegen oder berühren durfte, erfahre ich ein Gefühl von Erfülltsein.

Welches war die grösste Bühne, auf der du gespielt hast?
Im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) mit meinem damaligen Gesangs-Quartett The Duchettes.

Mit welcher*welchem Musiker*in würdest du gerne einmal spielen?
Da fällt mir spontan der Pianist Omar Sosa ein. Ich schätze seine künstlerische Reife sehr, in der nicht mehr gespielt wird, als die Musik wünscht, und die Weite seiner musikalischen Landschaften, welche eine Verbindung zu etwas Grösserem als sich selbst erahnen lässt. Oder auch Anoushka Shankar... ihr würde ich sehr gerne als Person und Musikerin begegnen. Und mit Drummer Jamie Whitby-Coles täte ich am liebsten ein Album aufnehmen.
 Das Wesen der Musiker*innen, das in die Musik fliesst, ist mir dabei viel wichtiger als ihre musikalischen/instrumentalen Fähigkeiten.

Welche eine Platte würdest du auf die einsame Insel mitnehmen?
Uii… Müsst ich mich für nur eine entscheiden, würd es wahrscheinlich keine werden. Ich würd mich dann lieber ganz auf die Klänge und Stille der einsamen Insel einlassen wollen und ihrer eigenen Musik lauschen mit nun mir in ihr.

Auf welcher Bühne würdest du am liebsten spielen oder spielst du am liebsten?
Da wo das Publikum sich als Teil der Musik und Kunst versteht.

Was ist neben der Musik noch wichtig in deinem Leben?
Ich brauche Tanz und Bewegung wie die Luft zum Atmen. Ausserdem sind mir der Kontakt mit der Natur, mit Gewässern und Bergen, unsere spirituelle Entwicklung und Selbstrealisierung, meine Familie, meine Wurzeln, Nachhaltigkeit, meine lieben Freunde und Weggefährten, Schreiben, Zeichnen, einfach Sein, Präsenz, Stille sowie Zeit und Raum für das Detail, für Reflektion und die Tiefe wichtig.
Liebe… klingt plakativ, aber schlussendlich ist es die Realisierung von Liebe, in ihren vielerlei Formen, Farben und manchmal auch bizarren, schwer auf Anhieb erkennbaren Erscheinungen.